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  WORK - LIFE - BALANCE

 

PRESSE / LITERATUR

Kinder gefangen im Hamsterrad

Quelle NZZ von Seraina Kobler16.5.2016, 10:00 Uhr

Es sind viele Kinder, die Rat suchen bei den telefonischen Krisenberatungen. Der Grund: Ihr mit Schule und aktiver Freizeit durchgeplanter Kalender lässt keine Luft mehr zum Atmen. Das eigentliche Problem liegt aber woanders.

Sport-Training, Musikunterricht, schulische Förderung - der Druck auf die Kinder ist gross.


Sport-Training, Musikunterricht, schulische Förderung - der Druck auf die Kinder ist gross.

Anna ist neun Jahre alt und hat keine Freunde. Als sie beim Sorgentelefon für Kinder anruft, ist sie sehr traurig. «Frag doch mal das Mädchen, das mit dir am Pult sitzt, ob ihr nach der Schule zusammen spielen könnt», empfiehlt die Beraterin. «Das habe ich schon, aber sie will nicht», sagt Anna. «Sie meint, ich hätte sowieso nie Zeit.» Im Verlauf des Gesprächs zeigt sich, dass Anna in den Flötenunterricht geht und ins Handballtraining. Am Samstag ist sie bei den Pfadfindern, und jeweils am Sonntag besucht die Familie die Grosseltern. «Vielleicht könnt ihr ja mal vor dem Training abmachen», sagt die Beraterin. Das gehe nicht, meint Anna. Dann müsse sie Aufgaben machen – und Flöte üben.

 

Tanzen für die Mutter

Anna, die eigentlich anders heisst, ist nur eines von 7600 Kindern, die in den Jahren 2014 und 2015 beim Sorgentelefon für Kinder Rat gesucht haben. Im neusten Jahresbericht legt die Organisation den Schwerpunkt auf den alltäglichen Stress der Kinder. Zuhauf berichten diese von Erschöpfung durch unzählige Kurse, die sie in ihrer Freizeit absolvieren. So tanzt ein Mädchen regelmässig Ballett, ihrer Mutter zuliebe, weil diese die Lehrerin gut kennt und darauf besteht, dass die Tochter das durchziehe. Die Motive solcher Eltern sind im Grundsatz löblich: Sie wollen ihrem Nachwuchs die besten Voraussetzungen bieten für die Zukunft. Meist geht es auch nicht lange, bis ein vielbenutzter Begriff fällt: «Kindswohl». Ein grosses Wort. Begründung für (fast) alles, Berechtigung und Legitimation für das eigene Verhalten als Erziehungsberechtigter.

«Nur etwa dreissig Prozent dessen, was Eltern sagen und tun, passiert in der Absicht, dem Kindeswohl zu dienen.»


Nicht selten aber werden viel eher die eigenen Ansprüche und Erwartungen der Erwachsenen auf die Kinder übertragen. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul stellt in seinem neuen Buch «Leitwölfe sein» fest: «Statistisch gesehen geschehen nur etwa dreissig Prozent dessen, was wir als Eltern sagen und tun, in der Absicht, dem Kindeswohl zu dienen. Die restlichen siebzig Prozent bedienen unser Image, unser Ego und unser Selbstbild.» – Beziehen Eltern ihr Selbstwertgefühl aus den Leistungen ihrer Kinder, hat das Folgen. So stellt die Jugendorganisation Pro Juventute einen hohen Druck auf die Kinder fest. Der zuständige Kinderpsychologe Urs Kiener sagt: «Bei unserer Telefonberatung beobachten wir eine Zunahme von Gesprächen über tiefe Krisen.» Die Kinder und Jugendlichen sprächen von Angstzuständen und persönlichen Problemen. Das zeigen die noch unveröffentlichten Jahreszahlen 2015 der Beratungsnummer 147, welche in einigen Wochen erscheinen.


Angst vor dem Stillstand

Frage man die Kinder, fühlten sie sich selten unbeschwert, sagt Kiener. Sie empfänden grossen Stress. In der Schule durch den Leistungsdruck, daneben durch das Überangebot an Aktivitäten: Judo, Fussball, Reiten, Instrumente spielen. Heute wird selbst in der Freizeit andauernd konsumiert, eine Folge des gestiegenen Wohlstands. Die permanente Erreichbarkeit hat durch die Verbreitung von iPods und Smartphones schon die meisten Grundschüler erreicht. Und das Hamsterrad dreht sich schneller, immer schneller. Dadurch wächst die Angst vor der Ruhe. Stillstand ist negativ besetzt. Nicht selten äussert sich die Belastung dann in Problemen mit dem eigenen Erscheinungsbild.

Körperliche Symptome sind bei kleineren Kindern Bauchschmerzen, bei älteren Kopfschmerzen und Schlafprobleme, manchmal auch Magersucht oder Übergewicht. Beim Sorgentelefon rät man Eltern, Pausen zu schaffen. Und sich folgende Fragen zu stellen: Was bedeutet für mich Luxus? Die Anerkennung, die man erfährt, wenn man überall dabei ist? Wenn man gelobt wird, weil das Kind in Vereinen dabei ist und mehrere Instrumente spielt? Luxus könne doch auch bedeuten, sich hin und wieder einen Tag freizuhalten für das Nichtstun. Dies sei zwar eine Herausforderung und nicht einfach zu planen. Die Kinder würden es danken. Denn sie ahmen ihre Vorbilder nach, und das sind in erster Linie die Eltern.

 

Strategien für mehr Gelassenheit

sko. ⋅ Dauerhafte Rastlosigkeit ist gefährlich. Kinderpsychiater und Berater des Sorgentelefons empfehlen Eltern folgende Hilfen für ihre Kinder:
■ Zuhören ist besonders wichtig, weil Kinder ihre Probleme selten sofort benennen können.
■ Wiederholungen geben dem Nachwuchs Sicherheit und verjagen das schlechte Gewissen, wenn wir uns nicht immer dem Neuen widmen.
■ Leere Seiten im Kalender sind schwer zu planen, aber unerlässlich.
■ Weniger Auswahl bieten, denn je mehr Optionen vorhanden sind, desto stärker steigen der Druck und das Gefühl, etwas Falsches ausgesucht zu haben.
■ Wider das Multitasking: Dieses führt zu Überforderung und legt die Konzentrationsfähigkeit längerfristig lahm – bei Gross und Klein.
■ Ruhe zum Teilen: Je jünger ein Kind, umso stärker nimmt es die Befindlichkeit der Erwachsenen auf. Versuchen Sie, intuitiv zu handeln und sich nur einer Sache aufs Mal zu widmen.

Wenn der Gang ins Büro zur Belastung wird


Bildbeschreibung


Mit der Aufwertung des Frankens hat der Druck noch zugenommen: Ein gestresster Arbeitnehmer vor dem Computer. (Bild: Getty Images)

Quelle Migros Magazin MM39, 21.9.2015


Schweizer Arbeitnehmer machen sich Sorgen um Job und Gesundheit. Gemäss einer neuen Studie von Travailsuisse nimmt jeder Dritte die Arbeit als psychische Belastung wahr. Unzufrieden machen auch fehlende Weiterbildungsangebote.

 

Die Schweiz hat ein Problem mit älteren Arbeitnehmenden. Den Schluss legt eine neue Studie von Travailsuisse nahe. Darin heisst es: Beinahe zwei Drittel der 46- bis 64-Jährigen glauben kaum daran, bei freiwilligem oder unfreiwilligem Arbeitsplatzverlust eine vergleichbare Stelle zu finden.

 

Der Verband der Schweizer Arbeitnehmer fordert deshalb eine Anpassung der Anstellungspolitik und bessere Laufbahnberatungen für ältere Semester. Auch sonst zeichnet das «Barometer Gute Arbeit» ein düsteres Bild. So fühlen sich 40 Prozent der Beschäftigten oft oder häufig durch ihre Arbeit gestresst. Einem Drittel schlägt die Arbeit gar auf die Psyche.

 

Mit der Aufwertung des Frankens hat der Druck noch zugenommen. Die Folgen wird die Allgemeinheit zu spüren bekommen: «Die Produktionspeitsche führt zu einer Überbelastung mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, aber auch mit hohen Kosten für die Volkswirtschaft», sagt Adrian Wüthrich (35), der designierte Präsident von Travailsuisse. Unzufrieden sind die Arbeitnehmer zudem mit der Gesundheitsförderung und den Weiterbildungsmöglichkeiten in ihren Betrieben. Fast die Hälfte wird kaum oder gar nicht unterstützt bei der Karriereplanung. Über 70 Prozent sehen keine oder nur geringe Aufstiegschancen in ihrem Unternehmen. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel sei dies ein grosses Problem, heisst es bei Travail­suisse. Relativ positiv bewerteten die 1500 für die Studie befragten Personen einzig die Identifikation mit der eigenen Arbeit.

 

«Wer heute am Arbeitsplatz nicht gestresst wirkt, gilt fast schon als Faulenzer»


Das Experteninterview mit Theo Wehner (66), Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich.

Theo Wehner (66), Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich.



Theo Wehner, 4 von 10 Schweizern fühlen sich im Job gestresst. Was machen diese Leute falsch?Schuld sind primär die Arbeitsbedingungen. Zu einem Teil ist das Problem aber auch hausgemacht: Wir kommen mit dem Kaffeebecher ins Büro, die Mittagspause erledigen wir am PC. Und Mails werden am Sonntagabend während des «Tatorts» auf dem Smartphone beantwortet. Wer am Arbeitsplatz nicht gestresst wirkt, gilt ja fast schon als Faulenzer.



Woher kommt dieser Hang zur Selbstausbeutung?

Das Selbst war noch nie so wichtig wie heute. Früher war die Personalabteilung für die Mitarbeiter zuständig, heute sagt sie: «Du selbst bist für dich zuständig.» Das klingt vordergründig nach Freiheit und Autonomie. Tatsächlich ist das Selbstmanagement eine perfide Strategie, die zur Selbstausbeutung führt.



Viele Arbeitnehmer schleppen sich auch mit einer Grippe ins Büro. Ist das nicht krank?

Schlimmer sind psychische Erkrankungen. Die geben zu reden. Es gibt viele, die mit einer ausgewachsenen Depression ihrer Arbeit nachgehen. Immer noch besser, als zehn Stunden im Bett zu liegen. Dennoch braucht es eine Diagnose und eine Therapie.



Wer bis zum Umfallen arbeitet, wird von den Kollegen bewundert.

Absurderweise ist der Begriff «Burn-out» positiv besetzt. Dabei ist er für die Betroffenen eine Katastrophe. In den 70ern und 80ern galt jemand, der noch keinen Herzinfarkt hatte, als schlechter Manager. Schreiner mussten mindestens einen Finger verloren haben. Das Burn-out hat die körperlichen Blessuren von früher als Trophäe abgelöst. Jetzt heisst es: «Kein Wunder, dass der depressiv geworden ist, bei der Arbeit!»

 


Nehmen wir die Arbeit zu wichtig?

Ja, wir sind bereit, unser ganzes Leben mit dem Büro zu synchronisieren. Dabei herrscht bei der Arbeit ziemlich viel Sinnfinsternis.

 

Wie meinen Sie das?

Einer Tätigkeit nachzugehen und ­dafür Geld zu bekommen, nützt mir zwar – und meinem Arbeitgeber. Die Sinnfrage bleibt aber unbeantwortet. Nur wenn etwas mit meinen Werten übereinstimmt, macht es Sinn. Viele Leute erleben das zum Beispiel erst bei der Freiwilligenarbeit.

 


Schon ab 40 realisieren viele Arbeitnehmer: Ich bin ersetzbar. Wie geht man mit dieser permanenten Unsicherheit um?

Eine Gesellschaft, die nicht mehr in der Lage ist, Erfahrung zu würdigen, ist der Roboterisierung sehr nahe. Damit das Alter nicht zu einem biologischen Risiko wird, ist eine gute Personalentwicklung nötig. Viele HR-Abteilungen beschränken sich heute aufs Verwalten und Rekrutieren.



Moderne Firmen wie Google bieten ihren Mitarbeitern Weinbars, Chill-out-Lounges oder Spielzimmer mit Rutschbahnen. Wie sinnvoll ist das?

Mich erinnert das an Klöster oder ans Militär, wo alles unter einem Dach ist. Es gibt Leute bei Google, die wissen nicht, dass die Limmat durch Zürich fliesst. Da wird die Trennung von Öffentlichem und Privatem aufgehoben, die wichtig wäre für eine Gesellschaft. Der öffentliche Raum ist eine öffentliche Telefonzelle geworden. Uns wird vorgegaukelt, dass so Synergien entstehen, doch in Wahrheit ist es ein immenser Verlust von Kultur.



Wer auf Teambuilding-Events verzichtet, gilt bald als asozial.

Dabei sind auch sie ein Auslöser für Stress. Man sollte sich da «sehen lassen». Jeder muss in den Kletterpark oder zum River Rafting. Dabei werden aber keine Grenzen ausgelotet, sondern im schlimmsten Fall der Kollege blossgestellt, der beim Mittagessen immer die grössten Portionen auf den Teller legt und es deshalb nicht allein aus dem Schlauchboot schafft.

 

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Erschöpfung am Arbeitsplatz


Hunderttausende sind Burnout-gefährdet
NZZ, Katharina Bracher 18.10.2014, 21:17 Uhr
Bildbeschreibung
Laut Wissenschaftern der Universität Bern fühlt sich ein Viertel aller Erwerbstätigen ziemlich oder stark erschöpft. Gegen 300 000 stehen gar kurz vor dem Burnout.

Um die psychische Gesundheit der Schweizer Arbeitnehmer steht es nicht zum Besten. Diesen Schluss legt eine repräsentative Studie im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz nahe. Danach sind über eine Million oder knapp ein Viertel aller Erwerbstätigen «ziemlich oder stark» erschöpft. Etwa sechs Prozent oder 300 000 Arbeitnehmer seien so stark belastet, dass sie gemäss wissenschaftlicher Klassifikation am Rande einer Erschöpfungsdepression (Burnout) stehen. Diese Arbeitnehmer kämen auch in der Freizeit nicht zur Ruhe und könnten sich nicht mehr dauerhaft von der Arbeit erholen.

Dies folgert das Forscherteam um den Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie Achim Elfering und den emeritierten Professor Norbert Semmer der Universität Bern nach der Analyse der Antworten von rund 3500 Befragten. «Die Erschöpfungsrate ist mit 24 Prozent hoch», sagt Elfering, «trotzdem befindet sich die Schweiz damit im europäischen Durchschnitt.» So habe kürzlich eine Studie mit den gleichen Messinstrumenten eine leicht höhere Erschöpfungsrate bei niederländischen Arbeitnehmern gemessen.

 

«Präsentismus» ist teuer

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat anhand der Daten zusätzlich errechnet, wie hoch der finanzielle Schaden für die Schweizer Unternehmen ist, deren Arbeitnehmer aufgrund von Stress weniger produktiv sind oder am Arbeitsplatz fehlen. Die Wissenschafter schätzen das ökonomische Potenzial auf 5,58 Milliarden Franken pro Jahr. «Interessant ist, dass nur etwa ein Viertel dieser Kosten verursacht wird durch Absenzen der Arbeitnehmer», sagt Elfering. Die restlichen drei Viertel seien dem «Präsentismus» der Arbeitnehmer geschuldet: «Diese Mitarbeiter sind zwar anwesend, aber aufgrund der Belastungssituation am Arbeitsplatz nicht voll produktiv», erklärt Elfering. Arbeitspsychologe Norbert Semmer sagt, dass die Resultate ein Ausdruck der veränderten Anforderungen der Arbeitswelt seien. «Der Druck steigt, und die Pausen nehmen ab. Seit Jahren findet eine Verdichtung der Arbeit statt», sagt Semmer.

Die Forscher haben im Rahmen der Studie den Job-Stress-Index entwickelt. Dieser zeigt auf, wie hoch der Anteil der Gestressten im Arbeitsumfeld ist. «Die Arbeitgeber können das Instrument für Mitarbeiterbefragungen nutzen», sagt Semmer. Damit liesse sich einerseits feststellen, wie hoch der Stresspegel in der eigenen Organisation sei, und andererseits, in welchem Bereich Massnahmen angezeigt seien.

 

Kritische Arbeitgeber

Finanziert wurde die Entwicklung des Job-Stress-Indexes von Gesundheitsförderung Schweiz. Die mit öffentlichen Geldern finanzierte Organisation ist per Gesetzesauftrag um das leibliche und psychische Wohl der Schweizer Bevölkerung besorgt. Im Rahmen dieses Auftrages wird der Job-Stress-Index ab jetzt jedes Jahr erhoben und veröffentlicht – ähnlich dem jährlich publizierten Sorgenbarometer der Schweizer Bevölkerung. Zusätzlich stellt Gesundheitsförderung Schweiz das Befragungs-Tool unentgeltlich interessierten Arbeitgebern zur Verfügung, um den Stresspegel in der eigenen Unternehmung zu messen. «Der Index zeigt gut auf, was man jenseits von Früchtekorb und Wasserspender für das Wohlbefinden der Mitarbeiter tun kann», erklärt Thomas Mattig, Direktor von Gesundheitsförderung Schweiz.

Doch der Adressat des Job-Stress-Indexes ist alles andere als dankbar für das Engagement der Gesundheitsförderung. «Ein jährlich publizierter Job-Stress-Index ist vielleicht öffentlichkeitswirksam, bringt den Unternehmen aber nichts», sagt Jürg Zellweger vom Arbeitgeberverband. Das Gegenteil sei der Fall: Man befördere damit eine «Wohlfühl-Hysterie» und könne bei Arbeitnehmern eine übertriebene Sensibilisierung auslösen. «Plötzlich fühlen sich alle gestresst», sagt Zellweger. Dabei sei schwer abgrenzbar, ob die Ursache für den Stress am Arbeitsplatz liege oder eher im Privatleben. «Hat der Mitarbeiter nicht viel geschlafen? Oder ist er stundenlang im Stau gestanden? Dann kann das möglicherweise auch die Situation am Arbeitsplatz stark beeinflussen», sagt Zellweger.

Doch private Effekte haben die Forscher berücksichtigt. Mit verschiedenen Fragestellungen haben sie erhoben, wie stark die Arbeitnehmer durch private Probleme auch am Arbeitsplatz belastet sind und wie sich dies auf die Produktivität auswirkte. «Wir konnten eine Reihe von privaten Einflussgrössen statistisch kontrollieren und werden das in kommenden Studien noch systematischer tun», sagt Elfering.

 

 


Freitag, 26. September 2014 16:08, Quelle: 20MIN.CH

 

Prominentes Beispiel

Was haben Sie wegen der Arbeit alles verpasst?


von Laura Frommberg - Ein erfolgreicher Manager kündigte seinen Job – nachdem seine Tochter ihm eine Liste von Dingen gegeben hatte, die er in ihrem Leben verpasst habe. Geht es Ihnen ähnlich?


Mohamed El Erian ist einer der grossen Finanz-Gurus. Mehrere Billionen Franken hatte er als Chef des Riesen-Investmentfonds Pimco unter seiner Kontrolle, er verdiente laut Medien-Spekulationen mehr als 100 Millionen Franken im Jahr. Und dann warf er hin. Im vergangenen Jahr kündigte El Erian seinen Job. Die Gerüchteküche kochte fast über, in der Branche war man überzeugt, dass er sich mit Pimco-Gründer Bill Gross zerstritten hatte.



Stimmt nicht, sagt El Erian nun. In einem Gastbeitrag für das Magazin «Worth» erklärt er, was zu seiner Kündigung führte: Ein Zettel, den ihm seine 10-jährige Tochter in die Hand drückte. «Vor etwa einem Jahr wollte ich, dass meine Tochter etwas erledigt – ich glaube, es war Zähne putzen – und musste sie mehrfach darum bitten», berichtet der Manager. Er habe das zehnjährige Mädchen dann darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht lange her sei, dass sie nicht so anstrengend gewesen sei und einfach auf ihn gehört habe.



Liste mit 22 Ereignissen

Offenbar ist El Erians Tochter dann der Kragen geplatzt. Wortlos ging sie in ihr Zimmer und kam kurz darauf mit einem Blatt Papier zurück. Darauf hatte sie eine Liste erstellt. 22 Dinge enthielt diese, die der Investmentguru im Leben seiner Tochter verpasst hatte – wegen seiner Arbeit. Vom ersten Schultag und dem ersten Fussballmatch der Saison über eine Haloween-Parade bis hin zum Elternsprechtag.

«Ich fühlte mich schrecklich und bin direkt in die Verteidigung gewechselt», so El Erian. Für jedes verpasste Ereignis habe er eine gute Entschuldigung präsentiert. «Doch dann dämmerte mir, dass ich etwas viel Wichtigeres ignorierte: Ich habe eine sehr spezielle Beziehung wegen meiner Arbeit vernachlässigt.» El Erian entschied sich, sein Berufsleben umzukrempeln. Inzwischen hat er viele Beratungsfunktionen inne, die weniger Reisezeit beanspruchen. Er und seine Frau wechseln sich darin ab, die Tochter aufzuwecken und zur Schule zu bringen. «Ich bekomme viel mehr mit, wir planen sogar Ferien nur zu zweit.»



Berichten Sie uns, was Sie verpasst haben

El Erian lenkt ein: Ihm sei bewusst, dass er sich diesen Schritt leisten könne, weil er in einer sehr privilegierten Position sei. Nicht jeder könne einfach kündigen. «Aber ich hoffe, dass immer mehr Firmen sich darauf konzentrieren, die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter zu fördern. Diese sollten die Möglichkeit haben, zu tun, was gut für sie ist.» 



Wir haben unsere Leser gefragt, was sie schon alles verpasst haben, weil sie arbeiten mussten. 


Die grosse Liebe 


Ein grosser Teil ist offenbar der Meinung, dass ihnen die grosse Liebe wegen der Arbeit durch die Lappen ging. «Eine wundervolle Beziehung mit einer süssen Frau» habe er verpasst, so etwa ein anonymer Leser. Weitere Details gibt er aber nicht preis. 

Andere reden gleich von der versäumten «Liebe des Lebens». Das Familienleben Andere hatten nicht genug Zeit für die Familie. «Meine dauernde Verfügbarkeit für die Firma hatte dazu geführt, dass ich meine Frau und meine damals neugeborene Tochter vernachlässigte», berichtet Bruno. Er zog die Notbremse. Aber zu spät. «Wir trennten uns. Daraufhin konzentrierte ich mich darauf, das Verlorene wieder aufzubauen.» 


Die Versäumnisse in der Familie nahmen bei Senad ziemlich früh ihren Lauf: «Bei mir fing das schon an, als meine Kinder noch im Bauch waren. Bei meiner Tochter war ich beim ersten und zweiten Ultraschall dabei, danach nicht mehr. Bei meinem Sohn war ich nie dabei.» Lily ist hin- und hergerissen. Sie ist alleinerziehende Mutter und arbeitet Vollzeit. «Und deswegen verpasse ich mehr als die halbe Kindheit meines einzigen Sohnes.» Doch an eine Kündigung denkt sie nicht - dann müsste sie nämlich von Sozialhilfe leben. «Das wäre zwar eine Option», sagt sie. «Aber wäre ich dann immer noch ein Vorbild für meinen Sohn?» 


Zeit, das Leben zu geniessen Viele Leser haben aber auch das Gefühl, wegen der Arbeit nicht richtig gelebt zu haben. «Ich habe als junger Erwachsener schon gearbeitet wie ein Karrieremann», berichtet Leser Meinrad. Daher habe er so vieles verpasst. «Keine richtigen Ferien, keine Reisen ...», zählt er auf. Doch in zwei Jahren laufe sein aktueller Vertrag aus. Dann will er neu beginnen. «Bei der nächsten Stelle werde ich den Fokus auf geregelte Arbeitszeiten und Ferien statt auf den Verdienst legen.» Auch Martin ist frustriert. «Pulverschneetouren in der einzigen schönen Winterwoche» habe er unter dem Hochnebel im Büro versäumt. Leser Gujokü kann einem richtig leid tun, er verpasste ein ziemlich persönliches Lebensereignis: «Meine Geburtstagsfeier mit 50 eingeladenen Leuten.»


 


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Machen sie so oft Ferien, wie sie wollen


Die Ferien-Flatrate ist da: Der britische Unternehmer Richard Branson erlaubt Angestellten seines Virgin-Konzerns, unbegrenzt freizunehmen.


Seine Angestellten Ferien nehmen lassen, wann immer sie möchten? Völlig absurd, denken wohl die meisten Arbeitgeber. Nicht so Richard Branson, Chef des britischen Virgin-Konzerns. «Es ist allein Sache der Angestellten zu entscheiden, ob und wann sie ein paar Stunden, einen Tag, eine Woche oder einen Monat freinehmen», schreibt der Unternehmer auf seinem Blog. Das heisst, die Ferien müssen weder vom Chef genehmigt noch beantragt werden. Einzige Bedingung: Die Arbeit muss erledigt sein und die Abwesenheit schadet dem Geschäft nicht.


Vorerst betrifft die Neuerung allerdings nur 170 Mitarbeiter, die im Bereich PR und Marketing sowie in Bransons sogenanntem Family Office arbeiten. Was nach einer grossen Revolution klingt, bleibt also vorerst auf einen kleinen Personenkreis beschränkt. Auf die Idee kam Branson aufgrund eines Vorschlags seiner Tochter Holly, die sich dabei vom Streaming-Unternehmen Netflix inspirieren liess, das eine ähnliche Regelung kennt. Holly schrieb ihrem Daddy ausserdem, dass einer ihrer Freunde in einem Betrieb arbeite, der diese Regelung ebenfalls eingeführt hat. Die Produktivität der Firma sei «durch die Decke gegangen».

Ausweitung ist geplant

Falls sich die neue Regelung bewährt, möchte Branson sie schrittweise auf andere Abteilungen seines Konzerns ausweiten. Es hänge vor allem davon ab, ob die Angestellten verantwortungsvoll mit der neuen Regelung umgingen, schreibt der Unternehmer auf seinem Blog.

Mit kreativen Arbeitszeitmodellen sind bisher vor allem Tech-Firmen aus dem Silicon Valley aufgefallen. Beim Internetriesen Google beispielsweise dürfen Mitarbeiter 20 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür einsetzen, an eigenen Projekten zu arbeiten.

 

Branson, ein schillernder Milliardär

Richard Branson ist in Grossbritannien als schillernder Milliardär bekannt, der mit seiner Virgin-Gruppe in den vergangenen Jahrzehnten ein Konglomerat aus den verschiedensten Sparten aufgebaut hat. Nebst Airlines sowie Handy- und Musikfirmen gehören auch eine Bahngesellschaft, ein Finanzdienstleister oder zum Beispiel ein Fitnessstudio dazu. Der Hauptsitz des Konzerns liegt in der britischen Metropole London. Mit 50'000 Angestellten erwirtschaftet Virgin einen Jahresumsatz von ungefähr 23,1 Milliarden Franken. 

 


 






 





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WER VIEL ARBEI-TET BRAUCHT AUCH ERHOLUNG

 

Diese einfache und altbekannte Rechnung stellt heute Viele auf die Probe, denn sie schaffen es kaum noch, richtig von ihrer Arbeit abzuschalten und geraten durch eine Welle privater Verpflichtungen und medialer Informationsflut in einen Zustand dauernder Anspan-nung.


Langfristige Auswirkungen sind eine hohe Belastung für Gesundheit, Leistungs-fähigkeit und Wohlbefinden.

Umso wichtiger sind Mög-lichkeiten und Konzepte, Arbeit und Freizeit klar voneinander abzugrenzen.

Ein perfekter Ort hierfür ist zum Beispiel der Garten.

Wenn man sich auf die Natur einlässt und sich traut, das Mobiltelefon einmal abzuschalten. 


Für viel Menschen in der aktuellen Gesellschaft eine echte Herausforderung.